Freitag, 21. Februar 2014

Hánoi Spezial: Typisch weiblich










Altstadt - Tempel - Wasserpuppen: 72 Stunden Geräuschkulisse Hánoi

 Fangen wir mal mit ein paar Beobachtungen im Verkehr an:

1) Verkehrsregeln gibt es nicht ... - Vorteil: Es braucht sich niemand daran zu halten!
Jeder bikt, fährt, läuft so gut er eben kann, nach rechts, links oder geradeaus - bloß stehen bleiben ist gefährlich !
Auch rote Ampeln werden überfahren, wenn es 'frei' ist - für Fußgänger gibt es manchmal rot und grün gleichzeitig ... - meistens gibt es KEINE Ampeln, sondern Zebrastreifen, die wohl bedeuten: Gestreift ist peppig; lasst euch nicht aufhalten !
Kleines Beispiel: Frau steht an einem Zebrastreifen. Keine Ampel - mehrspuriger Verkehr von beiden Seiten, sowie von Rechts- und Linksabbiegern. Gehupe als Dauersound. Keine Chance, dass ein Auto freiwillig hält!



Frau tastet sich nach längerer Beobachtungsphase zwei Schritte auf die Fahrbahn, als der heranrollende Pulk der Motorräder etwas dünner erscheint. Jeden einzelnen Biker fest im Blickkontakt geht sie im Trippelschritt, mal schneller, mal langsamer, so dass die Bikes vor und hinter ihr passieren können. In der Mitte schnelle Kopfwendung nach rechts um dem Gegenverkehr ins Auge zu blicken - gleiche tänzelnde Schritttechnik - Endspurt - geschafft !

 
Diese Reißverschlusstechnik ist natürlich am sichersten anwendbar mit mehreren Leuten, denn zwei oder drei bieten das optisch größere Hindernis - nach einiger Übung ist es faszinierend und fast suchterzeugend - der Verkehrsstrom bleibt, selbst bei mitunter aufgestellten Ampeln an Kreuzungen, immer am Fließen !

2) Motorbike-Taxifahren macht Spaß: Sie fahren zügig, aber vorsichtig; sie fahren dich bis vor die Museumstür - auch mal 100 m gegen die Fahrtrichtung oder über den Bürgersteig ...!  Dabei gibt es den Leihhelm gratis und der Preis ist Verhandlungssache.

Opernhaus


3) Bürgersteige sind nützlich: a) Zum Parken von Motorädern; normalerweise im rechten Winkel zur Fahrbahn, so dass Fußgänger auf die Straße ausweichen müssen; aber gerne auch in Doppeleihe, wenn die großzügig angelegten Trottoirs im französischen Viertel es zulassen. b) Zum Zubereiten von Mahlzeiten, am Eimeröfchen ein Schwätzchen halten, Hund gassi schicken, Haare schneiden, Abfall sammeln ... - NICHT zum gehen - gehen muss frau im Rinnstein - das einzige, was sie mit den armen fliegenden Händlerinnen - später mehr dazu - gemeinsam hat.

 

4) Polizei (beigefarbene Uniform) - dein Freund und Helfer - und Militär (grüne Uniform) sind überall präsent: Wozu, konnte frau noch nicht beobachten ... - sie stehen bloß rum oder kontollieren am Markt Waren oder lassen alle Leute aus dem Bus aus- und wieder einsteigen .... - oder fahren mit Fahrrad oder Motorbike spazieren ! Fotografieren lassen sie sich nicht - es sei denn von weitem ; )

 

5) Fliegende Händlerinnen (von 15 bis 75) verkaufen alles: Entweder per Fahrrad oder per Korbtrage an der Schulterstange sind sie zwischen 4.00 h und 19.00 h einfach überall. Fettgebackenes, Plastikartikel, Socken, Handschuhe, Kleidung aller Art, Blumen, Sandwichs, Postkarten, Scherenschnittfaltkarten, Souvenirs und und und .... !



Während die Altstadt ein Chaosgewusel mit winzigen Läden (Breite 1,20 m), 60er Kabelstrang als Oberleitung, winzigsten Durchgängen zu Hintergassen (Breite 0,60 m) ist; geht es im französischen Viertel großzügig zu. Breite Straßen klassizistische Fassaden, schöne Hotels, Grünanlagen.
Dazwischen bildet der 'Hoan Kiem'- See mit Tempel und kleiner Pagode den Ruhepol in der hektischen Welt.

 

Hier am Ufer befindet sich auch das Wasserpuppentheater, das seinen Ursprung in den Reisfeldern Vietnams hat. Reisbauern spielten ihre täglichen Elebnisse als Theater in den überfluteten Feldern.

 
So gibt es feste Charaktere, die jeder Zuschauer kennt.
Eine Art Clown tritt zu Beginn auf, Fischer und Reisbauern, sowie die klassischen symbolträchtigen Tiere: Drache, Phönix, Fisch, Frosch und vor allem die weise Schildkröte.

 



















Das typische Dudel-Klingklong-Orchester macht die Musikalische Untermalung, während merere Frauen mit hoch quäkender Singstimme die 'Konversation' intonieren. Alles wirkt ein wenig  übertrieben, hektisch und kindlich - Kasperltheater im Wasser sozusagen ; )
Nach der einstündigen Vorstellung kommen die Puppenspieler zu einer kurzen Verbeugung hervor - dann ist Shoppingtime: Wasserpüppchen im Kleinformat gibt es im Foyer.






Der Besuch des 'Vietnamese Women Museum' ist sehr lohnenswert: In vier Stockwerken gibt es zu Arbeit, Ethnien, Mode, Heirat und Mutterschaft, sowie der Frau in Kampf und Widerstand interessante Informationen in Ton, Bild und vielen Ausstellungsstücken.



Gleich in der Eingangshalle zeigt eine goldene 'Madonnen-Statue' die kommunistische Prägung. Auch in der 'Kampfabteilung' ist der entschlossene Gesichtsausdruck vieler 'Heldinnen' faszinierend bis erschreckend. Eine 21Jährige wurde z.B. für das Töten von 187 Feinden in 17 Schlachten mit einer Volkskampf-Ehrenmedaille ausgezeichnet - nur ein Beispiel von vielen.
Das 'Hoa Lo'-Prison oder auch sarkastisch 'Hanoi Hilton' genannt, lasse ich aus, als ich davor stehe - zu deprimierend.
 




Ein Motorradtaxi bringt mich zum 'Literaturtempel', der sehr touristisch überlaufen, aber dennoch interessant ist - die meisten Touristen halten sich in Hof 4 an den Souvenirständen auf, so dass ich in Hof 5 meine Ruhe habe und die ersten mageren Sonnenstrahlen genieße.



 

Statt eines Buddhas sitzt hier natürlich Konfuzius auf dem Altar in der Mitte flankiert von vieren seiner Schüler. Die Schildkröte als Symbol der Weisheit und Ausdauer ist in Gold verewigt. Auch die Steinstelen mit den Namen berühmter Doktoren werden von steinernen Schildkröten getragen.



Frisch graduierte Studenten finden sich zum Guppenfoto im Hof ein - es erinnert mich an das Abitursgruppenfoto meines Sohnes ; )
Angeschlagen von meiner Erkältung gelange ich est mittags zum Historischen Museum - nun macht es eineinhalb Stunden Mittagspause - wie ärgerlich! Also weiter zur Altstadt, wo ich das traditionelle 'Ma May House', ein restauriertes Altstadthaus mit drei Innenhöfen besichtigen will - auch hier ist geschlossen. Also gehe ich Mittagessen und absolviere dann mein Besuchsprogramm.

 
Das Altstadthouse ist sehr hübsch; aber mit drei Familien, die es früher bewohnt haben, würde das Innenleben wohl anders und weniger luftig aussehen. Heute werden zu Dollarpreisen Souvenirs verkauft.
Das Historische Museum bietet einen frühzeitlichen Bereich mit Skulpturen, Tonwaren und Schmuck; sowie ein Gebäude, das sich speziell der Revolution widmet. Leider ist vieles nicht auf Englisch erklärt - manches auf Französisch.


 


Klar ist, wie sehr das Volk unter dem doppelten Druck von Herrschaftsklasse und Kolonialmacht litt - insgesamt habe ich das Gefühl zu wenig zu wissen. Die Rolle der Amerikaner ist alles andere, als rühmlich - dabei fällt mir auf, dass ich in acht Tagen hier erst zwei amerikanische Touristen getroffen habe - beide allerdings mit immigrantem Hintergrund.
Als ich zurückgehe ist rushhour: Eltern holen ihre Kids mit Motorbikes von der Schule ab. Der ganz normale Wahnsinn in Hànoi !

Donnerstag, 20. Februar 2014

Nebel - Nachtfahrt - Nervenprobe: Von Sapa nach Hanoi

Die Nacht mit Heizdecke und heißer Dusche im Hotel ist herrlich - wie sich Mama Son und ihre Lieben waschen ist mir entgangen ... - Am nächsten Morgen will ich zum Silber-Wasserfall, der 12 km in den Bergen liegt - hoch, denke ich, birgt Hoffnung auf Sonne.




Aber war das auch am Vortag noch so, ist mir dieses Glück nicht beschieden: Ein kalter Wind weht fette Wolken vor sich her, als ich mit Huong, 23 J. jung, keine 45 kg leicht und seit 2 Jahren verheiratet, auf ihrem Motorradtaxi starte.



Der Wasserfall ist nichts Besonderes, aber Huong hält immer wieder bereitwillig zum Bilder machen; obwohl der Spaß daran, sowie die Sicht deutlich eingeschränkt sind. Dann packt mich der Ehrgeiz: Auf ruhigem geradem Wegstück erhalte ich meine erste 'Fahrstunde'. Ungefähr 100 Meter fahre ich alleine - es ist wirklich kinderleicht; aber als sie sich vertrauensvoll hinter mich schwingen will, lehne ich ab. Einen Mitfahrer möchte ich nicht verantworten. Das Fahren selbst wäre zu lernen, aber im Straßenverkehr einer Stadt ... - unmöglich!




 

Wie unmöglich, sehe ich 48 Stunden später in Hanoi!
Nach diesem Kurztrip verbummele ich den Tag und da mein Nachtbus erst am nächsten Abend fährt, habe ich viel Zeit beim einsetzenden Regen mein Zimmer zu genießen. Der ewigen Busfahrten müde, checke ich Flüge und siehe da - es gibt etwas Günstiges. Profi, der ich mittlerweile bin ; ) buche ich online.

 



 





 
  
Die 10stündige Nachtfahrt nach Hanoi ist holprig, regnerisch und düster. Die Liegesitze sind beqeum, der Liegenachbar müffelt; immer wieder grelles Deckenlicht bei Stopps und die Dauerbeats eines Musikfans ... - irgendwann sind wir dann doch da - es ist 5.30 h.
Nahtlos werden wir in einen Minibus gestopft - included - und zur Altstadt gefahren. Noch sind die Straßen ruhig und fast leer. Hunde
Nach einem Straßensandwich mit Kaffee stehe ich erstmal lange unter der heißen Dusche, denn warm ist es auch in Hanoi nicht. Solchermaßen erweckt, mache ich gegen 9. 00 h die erste Erkundungstour - das Kreuzen der Straße wird zur Nervenprobe.


Müde checke ich um 6.30 h im 'Tonkin Hostel' für 200.000 Dong (ca. 7.- Euro) ein, muss aber aufs Zimmer noch warten.

Ich habe 72 Stunden Zeit - dann muss ich zum Flughafen, um meinen spontanen Schnäppchenflug (Jetstar: 28.- Euro) nach Da Nang anzutreten, der mich in wärmere Gefilde und das von allen gelobte Hoi An bringen soll.

Montag, 17. Februar 2014

Out of Sapa: Nebelwanderung zu Mama Sons Dorf Háu Tháo



 

Wir steigen zunächst recht steil und lehmig bergauf. Diese Mühe wird jedoch belohnt, denn wir durchbrechen die Wolkendecke. Nach einer Stunde liegen die Wolken unter uns und die Landschaft ist wunderschön - weit und breit keine Straße.



Annika und Ellen (zu viel im Rucksack)sind etwas schlecht zu Fuß - Steven wechselt von Gummistiefeln (zu eng) zu Flip-Flops und ist noch müde vom Nachtbus - so kommen wir recht langsam voran und machen oft Pausen.


 Leider geht es nach dem Mittagessen, das unterwegs in aller Ruhe in einem Dorf gekocht wird, wieder bergab, so dass wir wieder im Nebel laufen und schon gegen 16.00 h das Hmong-Dorf Háu Tháo erreichen, wo wir im Haus Mama Sons willkommen geheißen werden.

 
















Das Haus ist recht groß, ebenerdig, mit Lehmboden, zwei offenen Raumunterteilungen - ein Bett ohne Matratze dient den zwei Kindern (8 und 10 J.) und ihr selbst und Ehemann Chen als Schlafstätte. Keinen Meter entfernt ist am Boden die Kochstelle am offenen Feuer.
Wir dürfen im anderen Hausteil eine Hühnerleiter hoch unters Wellblechdach klettern, wo auf dem Holzboden eine Reihe Decken und Kissen liegen - sieht wiedermal hart aus ; )


 













Das erschöpfte junge Volk kuschelt sich gleich mal zwei Stündchen, während ich die steilen Dorfhänge erkunde und anschließend am Feuer sitzend lese, während Mama Chilli zu kochen beginnt.


 Gegen 20.00 h gibt es Zwiebelfleisch mit Reis, gekochtem Blattgemüse und Nudelsuppe - auch Chen kommt von der Baustelle, wo das ganze Dorf Erde für eine neue Hausterrasse aufgeschüttet hat. Anschließend wird heftig gebechert: 'Happywater', eine Art Reisschnaps  wird aus kleinen Keramikschälchen 'Cha uk' - Prost - vorzugsweise in einem Zug gekippt.

 

Das  Zeug  ist lecker, aber recht mild. Sieben oder acht putzt jeder weg - dabei wird reichlich gelacht, geprostet und fotografiert. Mama Son zeigt stolz ihre vielen Bilder mit Travellern herum, die seit zehn Jahren bei ihr ein- und aus gehen.


 
Irgendwann geht dann ... ein letzter: 'Ik uk' - während wir Frauen bloß fröhlich sind - die Lache von Mama Chilli ist unbezahlbar - ist Chen bereits völlig beschickert; spielt aber noch eine Runde auf einem ulkigen Dudelinstrument.




Gegen 22.00 h kuscheln wir uns in voller Klamotte unter die Decken im Dachboden, lauschen dem pfeifenden Wind  und riechen noch den Rauch des Feuers, der gerne physikalisch nach oben zieht ; )
Es gelingt mir zwar nicht wirklich viel zu schlafen, aber die Decke ist erstaunlich warm und wenigstens schaffe ich es, nachts nicht raus zu müssen, denn das 'Stille Örtchen' liegt 20 m hinterm Haus einen abschüssigen Matschpfad runter.


Um 8.30 h krabbele ich morgens als erstes raus, denn noch schlimmer, als die Kälte sind die schmerzenden Glieder. Ein Gang ums Haus, eine Aufwärmrunde am Feuer, ein ausgiebiges Frühstück: Reis, Nudeln und Ei - und wieder erst gegen 11.00 h verlassen wir mit Mama Chilli und Mama Mo (Schwester von Chen)das Haus.
Mama Son ist bereits um 7.00 h aufgebrochen, um den nächsten Touristentrupp in Sapa abzuholen - sie ist eben der Boss ; )


Wir wandern wieder im dichten Nebel weiter immer bergab über Sú Pan, queren über eine Hängebrücke den Fluss und erreichen Tá Chái, das Dzao-Dorf (sprich: Zsa) zur Mittagszeit.
Nach erneuter Verköstigung - na, was gab es wohl ? Richtig: Reis, Nudeln, Gemüse und Ei ...- heißt es plötzlich, wir würden auf Motorbikes zurück nach Sapa gebracht.


 


 

Ein kleiner Faulheitsdeal der jungen Sportsgenossen, da Cath und Steven mit Mama Chilli zurückgehen und eine weitere Nacht bleiben wollen und die zwei anderen Busfahrkarten  ordern müssen ... - ich verkünde zu laufen; zahle, verabschiede mich von allen und wandere nun leider immer der belebteren Straße entlang folgend die neun Kilometer in zweieinhalb Stunden nach Sapa zurück.

 









Unterwegs erhasche ich immer mal wieder gelichtete Tiefblicke auf die grandios angelegten Reisterrassen, die allerdings noch nicht bepflanzt sind oder bei aufreißenden Nebelschleiern einen Blick auf die Berge ringsum. Da ich stetig leicht bergauf gehe, erreiche ich Sapa  tatsächlich nebelfrei und sehe erstmals, dass es wirklich ganz hübsch hier ist.

 

Im ersten Laden belohne ich meine Ausdauer mit Brötchen, Mars und Dosenbier und checke wieder im Hotel ein, in dem mein Großgepäck steht.



Ach, kann eine heiße Dusche und eine Heizdecke im Bett schöööön sein ... - und  nun zum Schluss die Quizfrage an meine Leser/innen:

Mama Son
Wie alt ist Mama Son ? Wer am nächsten dran ist, dem gebe ich demnächst ein Bier aus ... - Einschätzungen bitte an meine mailadresse ; )